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Ein Fragment von Goliaths Kopf aus dem Rathaus von Butschatsch. Ein Stein im Stein

Geschichte der Erschaffung

Dieses skulpturale Steinfragment ist Teil der monumentalen Skulpturengruppe „David und Goliath“, die in den 1750er Jahren zur Verzierung der Balustrade des Rathauses von Butschatsch geschaffen wurde. Dieses Ensemble entstand aus einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Bernard Meretyn und dem Bildhauer Johann Georg Pinsel. Die Figur des gefallenen Riesen diente sowohl als kompositorischer als auch als symbolischer Sockel für den triumphierenden David. Sie verkörperte die Essenz des barocken Dramas – den Sieg des Geistes über die rohe Gewalt.

Beschreibung der skulpturalen Komposition

Archivfotos aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigen deutlich die ursprüngliche Position dieses Fragments innerhalb der Gesamtstruktur des Denkmals. Goliath lag auf dem Rücken, niedergestreckt durch einen gezielten Schlag. Sein massiver Kopf, dessen Gesichtszüge vor Qual grotesk verzerrt waren, war dem Betrachter zugewandt. Diese alten Fotografien offenbaren, wie kraftvoll der barocke Ausdruck des Meisters war: Pinsel formte das Haar des Riesen in Form von schweren, tiefen und rhythmisch gewellten Locken, die eine chaotische, ungezügelte Naturgewalt symbolisieren.

Die zeitgenössische Fotodokumentation offenbart uns ein einzigartiges, zutiefst dramatisches Artefakt. Was wir vor uns sehen, ist ein erhaltenes Fragment von Goliaths Kalksteinlocken. In seiner Mitte ist der entscheidende Beweis für die biblische Schlacht für immer eingefroren: der Stein, der aus der Schleuder des zukünftigen Königs von Juda geschleudert wurde.

Trotz der starken Verwitterung, der durch von Menschen verursachte Katastrophen entstandenen Hohlräume und des unaufhaltsamen Verstreichens der Zeit lässt sich Pinsels unverkennbare Handschrift noch immer erkennen. Der Bildhauer hat die Haarsträhnen nicht bloß nachgeahmt – er hat sie als ausdrucksstarke, fast architektonische Formen mit tiefem Relief gestaltet. Der abgerundete, von Natur aus glatte Flussstein, der in die Stirn des Riesen eingelassen ist, steht im Kontrast zu den gemeißelten, scharf abgegrenzten Locken, die ihn umgeben.

Heute, losgelöst von seinem anatomischen Gesamtkontext, wird dieses Fragment als eigenständiges Objekt wahrgenommen. Die durch Erosion abgetragene Textur des Kalksteins hat das barocke Detail in eine ausdrucksstarke Abstraktion verwandelt. Der Stein im Stein – Davids Waffe, die im Leib seines Feindes steckt – ist zu einer Metapher für die Zeit selbst geworden. Er steht erstarrt inmitten der Ruinen und verwandelt einen Moment biblischen Triumphs in ein ewiges Denkmal für die Zerbrechlichkeit des menschlichen Genies.

  • Ein Fragment von Goliaths Kopf. Mitte des 18. Jahrhunderts.
  • Kalkstein.
  • Höhe:
  • Stammort: Rathaus von Butschatsch, Region Ternopil.