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Ein Fragment von Themis’ Hand. Eine erstarrte Geste

Geschichte der Erschaffung

Dieses Kalksteinfragment ist ein erhaltener Teil einer monumentalen allegorischen Figur der Themis – der antiken griechischen Göttin der Gerechtigkeit. Die Skulptur wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom Team aus dem Architekten Bernard Meretyn und dem Bildhauer Johann Georg Pinsel für das Geländer des Rathauses von Butschatsch geschaffen. Als Verkörperung der unparteiischen Gerechtigkeit und des Rechts nahm sie einen herausragenden Platz im ideologischen Programm des Magistratsgebäudes ein. Die Hand der Göttin, die einst eine Waage oder ein Schwert hielt, diente als zentraler kompositorischer und symbolischer Blickpunkt und vermittelte den Bürgern die göttliche Gerechtigkeit.

Beschreibung der skulpturalen Komposition

Im Gegensatz zu den meisten anderen Fragmenten des Komplexes, die als stark verwitterte, fast nicht mehr zu erkennende Steinblöcke erhalten geblieben sind, ist dieses Fragment bemerkenswert gut erhalten. Der erhaltene Teil von Themis’ Arm zeugt von der dramatischen Ausdruckskraft der Gestik, die für Johann Georg Pinsels reifen Stil charakteristisch ist.

Der Meister modelliert den Unterarm und die Hand der Göttin in seiner charakteristischen grafischen, prägnant behauenen Form. Pinsel verzichtet bewusst auf Weichheit und anatomische Details: Die Plastizität der Hand ist gänzlich der Gesamtdynamik der Bewegung untergeordnet. Die Muskeln des Unterarms sind scharf abgegrenzt, während die Gelenke eine klare, fast kubistische Geometrie aufweisen. Dank dieser Technik blieb die Geste ausdrucksstark und für Betrachter aus großer Entfernung – vom Platz vor dem Rathaus aus – gut erkennbar.

Der aktuelle Zustand des Denkmals ist ein sichtbarer Beweis für seine tragische Geschichte. Die Oberfläche des Kalksteins ist von zahlreichen Rissen, tiefen Falten und Absplitterungen durchzogen, die die Figur fast vollständig ihrer Form zu berauben drohten. Heute gilt die erhaltene Hand der Themis als beredtes Beispiel für ein erzwungenes „Non-Finito“. Obwohl sie ihrer ursprünglichen Attribute der Autorität – der Waage und des Schwertes – beraubt wurde, hat sie ihre innere Stärke nicht verloren. Nun steht dieses Fragment nicht mehr nur als Teil einer zerstörten Barockfigur, sondern als eigenständiges skulpturales Manifest – ein Symbol für die Verletzlichkeit der Schönheit im Angesicht der Zeit und ihre bemerkenswerte Fähigkeit, dem Vergessen zu widerstehen.

  • Ein Fragment von Themis’ Hand. Mitte des 18. Jahrhunderts.
  • Kalkstein.
  • Höhe:
  • Stammort: Rathaus von Butschatsch, Region Ternopil.