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Ein Fragment des Torsos (Rückenteil) des Herakles aus dem Rathaus von Butschatsch

Geschichte der Erschaffung

Der Kalksteinblock bildet das zentrale Fragment der monumentalen Skulpturengruppe „Herakles reißt dem Nemeischen Löwen das Maul auf“. Er wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom Architekten Bernard Meretyn und dem Bildhauer Johann Georg Pinsel für die Balustrade des Rathauses von Butschatsch geschaffen. In der Komposition trug der Torso des antiken Helden das Hauptgewicht sowohl in baulicher als auch in symbolischer Hinsicht. Das Wesen von Herakles’ erster Heldentat erforderte einen extremen, fast übermenschlichen Einsatz körperlicher Kraft. Dadurch wurde der Rücken des Mannes zum Hauptschauplatz eines skulpturalen Kampfes zwischen dem Geist des Barock und dem materiellen Chaos.

Beschreibung der skulpturalen Komposition

Da dieses Fragment in beschädigtem Zustand und ohne Gliedmaßen überliefert ist, haben sich Archivfotos aus dem frühen 20. Jahrhundert als Schlüssel zu seinem Verständnis erwiesen. Sie zeigen deutlich, wie Pinsel die bemerkenswerte Anatomie der Figur gestalteten, die einen Moment enormer körperlicher Anstrengung einfängt. Die Figur des Herakles beugt sich stark nach vorne und ist diagonal verdreht. Der Rücken ist nicht bloß eine anatomische Darstellung, sondern eine komplexe, angespannte architektonische Komposition.

Der Bildhauer hat die Muskulatur bewusst übertrieben dargestellt: Die Schulterblätter sind angehoben, die dichten Wülste der breitesten Rückenmuskeln sind bis zum Äußersten angespannt, und die Wirbelsäule bildet einen steilen, dynamischen Bogen. Pinsel wandte hier seine Lieblingstechnik an – die expressive kubistische Modellierung von Volumen, bei der die Übergänge zwischen den Muskeln nicht mit weichen Linien, sondern mit scharfen, kühnen Kanten dargestellt werden. Diese Technik schuf tief schattierte Vertiefungen, sodass es bei Betrachtung von unten, vom Rathausplatz aus, so aussah, als würde die Haut der Figur vor Blutrausch und Wut pulsieren.

Heute, ohne Kopf, Arme und Beine, wird dieses Torsofragment als kompromissloses barockes „Non-finito“ wahrgenommen. Zeit, Verwitterung und die Hohlräume im Kalkstein haben die feinen Details weggewaschen und das Wesen von Pinsels ursprünglicher Vision freigelegt – reine Energie, verkörpert in Stein. Die poröse Oberfläche des Rückens, von den Jahrhunderten gezeichnet, gleicht nun einem verwitterten Felsen oder einer Berglandschaft. In dieser Form hat das Fragment endgültig seinen gegenständlichen Charakter verloren und ist zu einem in sich geschlossenen, abstrakten Denkmal geworden. Es ist zum Symbol des ewigen Kampfes geworden, in dem der geschundene menschliche Torso mit der Struktur der Natur selbst zu einem einzigen Ganzen verschmolzen ist.

  • Die Ein Fragment des Torsos des Herakles. Mitte des 18. Jahrhunderts.
  • Kalkstein.
  • Höhe:
  • Stammort: Rathaus von Butschatsch, Region Ternopil.