Der Heilige Joachim von Horodenka
Geschichte der Erschaffung
Die Skulptur des Heiligen Joachim stammt vom Hauptaltar der Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria und aus dem Kloster der Missionspatres in Horodenka. Der berühmte Meister Johann Georg Pinsel hat dieses Meisterwerk zwischen 1752 und 1755 geschaffen. Die Barockkirche selbst wurde zwischen 1745 und 1769 als Gemeinschaftsprojekt unter der Leitung des Architekten Bernard Meretyn erbaut.Beschreibung der skulpturalen Komposition
Die Gestalt des Heiligen Joachim ist in einer tiefgründigen, dramatischen Bewegung erstarrt. Sein Kopf, bedeckt von dichten Strähnen grauen, lockigen Haares, ist in Trauer und tiefer Versunkenheit geneigt. Joachims Blick ist nach unten gerichtet und von innerem Leid erfüllt.
Der Körper des Heiligen verbirgt sich unter massiven, scharfkantigen Gewändern. Pinsel hat diese in seinem unverwechselbaren, ausdrucksstarken Stil dargestellt – mit tiefen, scharfen Falten und dynamischen, fast geometrischen Plissierungen im Stoff. Diese ausdrucksstarke Darstellung der Kleidung erzeugt ein kraftvolles Wechselspiel von Licht und Schatten und betont die Monumentalität der Figur noch zusätzlich.
Pinsel liefert eine einfühlsame Interpretation der Figur des Joachim und verleiht ihm ausgeprägte psychologische Züge, die für das Alter, väterliche Aufopferung und spirituelle Würde charakteristisch sind. Die kontrastierenden plastischen Volumen, die fein gearbeiteten Bartsträhnen, die scharfen, fast grafischen Linien der Kleidung und die ausdrucksstarke Haltung des Heiligen – all dies rückt diese Holzskulptur in die Nähe der besten Beispiele des europäischen Barocks und zeugt vom einzigartigen Stil des Meisters.
Ursprünglich befand sich die Skulptur des Heiligen Joachim im rechten Flügel des Hochaltars der Kirche. Wie alte Fotos belegen, wurde der Heilige in einer majestätischen und ausdrucksstarken Pose dargestellt. Sein rechter Arm war am Ellbogen angewinkelt und bis auf Brusthöhe erhoben, die Handfläche offen. Dies erweckte den Eindruck eines lebhaften Gesprächs oder einer andächtigen Ansprache. Mit der linken Hand hielt er den Rand seines schweren Umhangs fest und fixierte so dessen dynamische Bewegung. Die Gewänder des Heiligen fielen in scharfen, unregelmäßigen und tief geschnittenen Falten herab, was selbst im Halbdunkel der Kirche ein eindrucksvolles Spiel von Licht und Schatten erzeugte. Der Stoff „blubberte“ förmlich um die Figur herum und erweckte den Eindruck einer Windböe.
Fotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigen, dass die Skulptur damals noch intakt war – die Gesichtszüge, der prächtige Lockenbart und die imposanten Konturen der Figur waren alle perfekt erhalten. Die massive, glänzende Vergoldung des Umhangs stand in starkem Kontrast zu den realistisch bemalten, unbedeckten Körperteilen (das Inkarnat) und dem Haar.
Der Lauf der Zeit und die tragischen Ereignisse der Sowjetzeit haben tiefe Spuren der Zerstörung am Denkmal hinterlassen. Die Skulptur hat erhebliche Schäden davongetragen: Die Hände sind vollständig abgebrochen, Fragmente der ausdrucksstarken Falten im Gewand sind verloren gegangen, und der Holzsockel ist mit Rissen übersät. Darüber hinaus sind die ursprüngliche, authentische Polychromie und die Vergoldung, die einst die Gewänder des Heiligen bedeckten, verloren gegangen. Infolgedessen ist nun das blanke, unbemalte Holz sichtbar.
Historische Fotografien zeigen, dass das heutige „kubistische“ und karge Erscheinungsbild von Joachims freiliegendem Holz lediglich das Ergebnis tragischer Zerstörung ist. Pinsels ursprüngliches Konzept basierte auf dem Glanz des Goldes, der Integrität der Linien und der theatralischen Ausdruckskraft der Gesten, die perfekt mit der Architektur von Bernard Meretyn harmonierten.
- Der Heilige Joachim. Wohl spätestens 1752-1755.
- Lindenholz, Reliktbereiche von Levkas, verlorene Polychromie.
- Höhe: 280 cm.
- Aufbewahrungsort: Museum von Johann Georg Pinsel in Lemberg Inv.-Nr. С-І-1635.
- Stammort: der Hauptaltar der römisch-katholischen Missionarskirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria in Horodenka, Region Iwano-Frankiwsk.